"Essen" scheint sich zum absoluten Dauerbrennerthema bei uns zu entwickeln. Das Kind isst wie ein Spatz und wenn man nicht ab und an
von anderen Müttern lesen könnte, dass es ihnen genau so geht, wäre ich vermutlich schon komplett verzweifelt. Trotzdem: Dieses kleine Mädchen aus Schwerin geht mir einfach nicht aus dem Kopf und immer noch frage ich mich, wie so etwas passieren kann. Ich dachte bisher, Kinder holen sich was sie brauchen und irgendeine Art von Nahrung ist normalerweise in jedem Haushalt vorhanden. Ich verstehe es nicht. Und weil ich es nicht verstehe macht es mir Angst.
Wenn ich mir meine Madame so angucke und beobachte, wie zart sie ist - kein Babyspeck, kein Kugelbauch - eben ein Rippchen. Wenn die Waage verkündet, dass sie mal wieder unter die 10-kg-Marke gerutscht ist, dann muss ich mich sehr zusammenreißen, um nicht komplett in Panik zu verfallen. Dabei hat sie wirklich ein geregeltes Leben: Feste Mahlzeiten, gute Zutaten, Ruhe und Gesellschaft beim Essen, Vorbilder die gern essen ... helfen tut das alles nicht. Sie kostet die meisten Speisen nicht einmal. Und wenn ich es mir genau überlege, wird die Auswahl der akzeptierten Lebensmittel beständig kleiner. Kein Käse/Quark, kaum Brot, nur Gläschen (und auch da wird immer öfter der Kopf weggedreht) - gekochte Kartoffeln, Reis, Gemüse sind lebensbedrohlich, Wurst eigentlich nur Leberwurst und Würstchen und selbst klassische Kinderleckerlis wie Pudding oder Milchreis/Grießbrei werden nachdrücklich abgelehnt. Das Einzige das immer geht ist Joghurt und Obst. Ich kämpfe mit den Tränen und schmeiße Lebensmittel in Größenordnung weg. Und wenn ich lese, dass andere Kinder mit 1 1/2 Kartoffelauflauf u.ä. essen, dann bin ich einfach sprachlos.
Die Strategie "Wenn sie nicht will, muss sie nicht." scheint Madame einfach überhaupt nicht zu beeindrucken. Sie will dann eigentlich nie. Und seit neuestem hat sie nun auch einen Satz dafür:
Mag is nis. Gejammert dass sie Hunger hat, hat sie soweit ich mich erinnere noch nie. Ich habe die Gelassenheit nicht, zu glauben, dass ich als Mutter schon alles richtig mache. Und zum Kinderarzt mag ich nicht, weil der ohnehin wieder tiefenentspannt ist und ihr das Essen ja auch nicht reinzwingen kann.
Wenn sie wie gestern eine ganze Scheibe Brot mit Leberwurst zum Abendbrot isst, kann ich mich gar nicht richtig freuen, weil es ohnehin nur eine Eintagsfliege ist. *seufz*
PS: Wir haben mittlerweile alle Soll-sie-noch-nicht-bekommen-Regeln aufgehoben - bis auf Schokolade. Geholfen hat es nicht. Selbst lecker süß
mag sie
nis .PS2: Und dann noch die liebe Verwandschaft im Rücken, mit vorwurfsvollen Blicken, sorgenvollen Minen und Sprüchen wie
Du musst ihr das Essen eben beim Spielen/Spazierenfahren geben, da mag sie das vielleicht lieber. oder
Man kann das gar nicht mitansehen. ...
PS3 (für Mama Schwaner: Wir haben letztens einen Kuchen mit ihre gebacken, was sie auch mit riesengroßem Interesse verfolgt hat. Als er fertig war, wollte sie ihn für nichts auf der Welt essen. Nicht ein Krümelchen ...